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Energieversorgung

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Energie bestimmt in der westlichen Welt unseren Lebensstil. Unzählige Leistungen und Erleichterungen basieren direkt oder indirekt auf der Verfügbarkeit von billigen und oft nicht erneuerbaren Energieträgern, die mit minimalem Arbeitsaufwand beschafft werden können. Aufgrund der steigenden Nachfrage und der Endlichkeit der fossilen Ressourcen gehen wir davon aus, dass sich diese Situation in ein paar Jahrzehnten grundlegend verändern wird.

Wenn in der Schweiz eines Tages Energie nicht mehr nahezu unbeschränkt verfügbar sein wird, müssen wir mit einer drastischen Veränderung unseres Alltags rechnen. Mit der Permakultur auf dem Balmeggberg suchen wir nach kreativen Lösungen, um unseren Lebensstil im Hinblick auf das sich abzeichnende Zeitalter der Verknappung umzugestalten. Dazu gehört insbesondere, dass wir unseren Lebensstil so weit wie möglich auf die eigenen lokal vorhandenen Ressourcen abstützen möchten.

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Energie ist für ein Permakultur-Design ein zentrales Konzept, welches nicht nur bei Strom, Wärme und Treibstoffen Halt macht. Im Grunde ist auch die Nahrung für Mensch und Tier eine Frage der Energieversorgung. In einem natürlichen System sammeln und speichern die Pflanzen die Sonnenenergie und machen sie als Nahrung verfügbar. Dafür benötigen sie Unterstützung durch Nährstoffe wie Stickstoff, der in der industriellen Landwirtschaft zu einem bedeutenden Teil direkt aus Erdgas gewonnen wird (Haber-Bosch-Verfahren).

Schätzungen zufolge, stammt in den Industrieländern 40% des Stickstoffs im Körper der Menschen aus dem Haber-Bosch-Verfahren. Wenn in Zukunft die Energie knapp werden sollte, wird sich das also ganz direkt auf die Kosten und die Verfügbarkeit der Lebensmittel auswirken, was gerade in ärmeren Ländern viele Menschen in Notsituationen bringen kann. Ganz zentral wird es also sein, die in den Nährstoffen gespeicherte Energie zu bewahren und im Kreislauf zu halten.

Auf dem Balmeggberg versuchen wir, uns soweit wie möglich auf die vor Ort vorhandenen Ressourcen abzustützen. Natürlich braucht dies in der heutigen Zeit auch Kompromisse und auch wir sind weiterhin auf die Verfügbarkeit der fossilen Rohstoffe angewiesen. Der Balmeggberg wurde auf der Webseite vom Bundesamt für Energie (BFE) als ein mögliches Lebensmodell für eine 2000-Watt-Gesellschaft dargestellt.

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Das Holz aus den umliegenden Wäldern nutzen wir für die Wärme in Haus und Jurten, aber auch zum Kochen. Zwischen 25 und 30 Kubikmeter Holz benötigen wir jährlich, was theoretisch gerade etwa dem entspricht, was auf unseren 3 Hektaren Wald jährlich nachwächst. Mit dem Umbau des Gemeinschaftshauses konnten wir erste Schritte unternehmen, um die Verluste bei der Heizenergie zu verringern.

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Auch bei der Bereitstellung des Brauchwarmwassers verwenden wir die gespeicherte Sonnenenergie im Brennholz. Die Sonne kommt aber auch direkt zum Einsatz, indem sie die Kollektoren auf dem Dach der Einfahrt erwärmt. Das Warmwasser wird in einem 2500-Liter-Speicher gelagert. Weil wir auf einen Elektro-Einsatz im Boiler verzichtet haben, ist unsere Stromrechnung um mehrere Hundert Franken kleiner geworden.

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Strom beziehen wir zu einem bedeutenden Teil aus den benachbarten Photovoltaik-Anlagen im Seltenbach und auf dem Stauffenchnubel und anderen Anlagen in der Gemeinde Trub, die auf der Ökostrom-Handelsplattform Strom von hier gehandelt werden. Mit dem Büro Weichen stellen engagiert sich Toni zudem für die Energieregion Emmental, da eine Versorgung mit erneuerbarer Energie auf regionaler Ebene effizienter ist, als sie lokal auf ein einzelnes Haus zu betrachten.

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Besonders herausfordernd für unseren westlichen Lebensstil ist der Ersatz der Treibstoffe, um unser Mobilitätsbedürfnis zu befriedigen. Auch dies ist für uns auf dem Balmeggberg noch nicht gelöst, und bei der abgelegenen Lebensweise sind wir auf ein Auto angewiesen. Aber wir haben ein paar Ideen, wie wir die Mobilität, die wir uns mit Autos und unserem Einachser für kürzere Transporte ermöglichen, mindestens in Bezug auf die Treibstoffe auf unsere eigenen Ressourcen abstützen können. Wir arbeiten daran und halten euch gerne auf dem Laufenden.

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Beim Thema Energie ist auch die persönliche, menschliche Energiebilanz ein wichtiges Thema. Die besonders im Sommer langen, intensiven und arbeitsreichen Tage sollten sich mit Erholung, Ruhe, Genuss und Feiern abwechseln können. Eine Gelegenheit bietet dazu der Winter, wenn Schnee und Kälte die Arbeiten draussen einschränken und das Leben auf dem Berg familiärer wird.

Eine wesentliche Quelle für unsere ganz persönliche Lebensenergie ist auch die Befriedigung, ein Leben zu leben, das sich ganz unmittelbar im praktischen Alltag mit der Suche nach einer menschenwürdigen Antwort auf die grossen gesellschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit auseinandersetzt.

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